Paarberatung und Paartherapie bei Kinderwunsch
"Verbringe die Zeit nicht
mit der Suche nach einem Hindernis, vielleicht ist keines da"
Franz Kafka
Motive für einen bestehenden Kinderwunsch:
Wichtig für Paare ist die Reflektion der eigentlichen Motive eines bestehenden Kinderwunsches:
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Selbstbezogene Motive (z.B. Lebenssinn, Selbstverwirklichung über das Kind, Überwindung der Einsamkeit, Wiederbelebung der eigenen Kindheit, Hoffnung auf eine Art der Unsterblichkeit, neue Körpererfahrung während Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit)
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Paarbezogene Motive (Kind als sichtbarer konkreter Ausdruck der Liebe, für einen Stammhalter sorgen)
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Normative Motive (z.B.: ein Kind gehört zu einer richtigen Familie, Fortpflanzung als Wille Gottes)
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Familiäre Motive (z.B: Eltern wünschen sich endlich das ersehnte Enkelkind)
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Soziokulturelle Motive (z.B.: Verbesserung des gesellschaftlichen Status, Zufriedenstellung gesellschaftlicher Bedürfnisse)
Realistische Einschätzungen der Erfolgsraten:
Der Einsatz von Verhütungsmitteln und die Aufsehenserregenden Entwicklungen innerhalb der Reproduktionsmedizin suggerieren fälschlicherweise die „Planbarkeit“ von Kindern. Im Extremfall können sich Männer eine Leihmutter nehmen, Frauen stehen diverse Samenbanken im Ausland zur Verfügung. Ethische Bedenken treten in den Hintergrund und das Machbare legitimiert das Tun, doch die Grenzen, Gefahren und Risiken werden schnell außer Acht gelassen. Behandlungseinrichtungen werben teilweise mit unrealistisch hohen Erfolgsraten (bis zu 40% für IVF pro Embryotransfer) doch oftmals sieht die Realität anders aus, hierzu ein Paar Zahlen und Fakten.
- Die Lebendgeburtenrate liegt bei ca. 14%(IVF) und ca. 15% (ICSI) pro durchgeführten Versuch. Eine durchschnittlich 75% Lebendgeburtenrate wird bei 9 IVF-Versuchen bzw. 8 ICSI Versuchen im bundesweiten Durchschnitt erreicht. Aktuelle Angaben liefert der Jahresbericht des Deutschen IVF-Register, an die über 100 der deutschen Fertilitätszentren Daten liefern.
- Nur bei 80% aller Behandlungsversuche kommt es zu einem Embryotransfer.
- Der Anteil an über 20% Zwillingsgeburten übersteigt den Spontanverlauf um das 20fache, der Anteil an 1% Drillingsgeburten übersteigt den Spontanverlauf um das 200fache. Das Risiko einer Zwillingsschwangerschaft in Bezug auf Totgeburt und Erkrankungen ist ca. 5-6-mal so hoch wie bei Einlingen und bei Drillingen 9-fach erhöht.
- 20-25% der Schwangerschaften nach assistierter Reproduktion enden mit einer Fehlgeburt, 2-4% mit einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter.
- Das Risiko eines niedrigen Geburtsgewichtes ist bei Einlingen 2,6-mal so höher als in der Allgemeinbevölkerung, die Frühgeburtenrate liegt mit 12,5% nach assistierter Reproduktion über 5,5% im Vergleich bei natürlich empfangener Schwangerschaft.
Psychische Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit:
Ungewollte Kinderlosigkeit kann auch psychische Ursachen haben. Dies ist insbesondere der Fall:
- wenn ein Paar trotz Kinderwunsch und Aufklärung durch den Arzt weiterhin schädigendes Verhalten praktiziert (z.B. schlechte Ernährungsweise mit starkem Über- und Untergewicht, Hochleistungssport, Genussmittel- bzw. Medikamentenbissbrauch, extremer beruflicher Stress).
- wenn ein Paar systematisch keinen Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen praktiziert, bzw. wenn eine nicht organisch bedingte sexuelle Funktionsstörung vorliegt.
- wenn ein Paar eine aus medizinischer Sicht indizierte Kinderwunschtherapie zwar bewusst bejahrt, diese dann aber doch nicht beginnt.
Das psychische Leiden kinderloser Paare wird nicht mehr in erster Linie als Ursache für die Kinderlosigkeit gesehen, sondern stellt eher eine Begleiterscheinung dar. Wissenschaftlich gesichert ist, dass ungewollte kinderlose Paare keine signifikanten Auffälligkeiten in der Persönlichkeit oder Partnerschaft zeigen. Ganz im Gegenteil konnte oftmals eine höhere Lebens- und Partnerschaftszufriedenheit festgestellt werden.
'Bis zu 60% der Paare zeigte jedoch im Verlauf einer reproduktionsmedizinischen Behandlung eine zumindest vorrübergend beeinträchtigte Sexualität (insbesondere bei Geschlechtsverkehr nach Termin oder während der IVF-Behandlung). Bei Frauen fanden sich im Durchschnitt entsprechend der Länge der Behandlung eine erhöhte Neugung zu Depressivität, eine etwas erhöhte Ängstlichkeit und etwas mehr körperliche Beschwerden als Frauen der Normalstichprobe. Bei Männern fanden sich keine signifikanten psychischen Auffälligkeiten, lediglich ein negativer Zusammenhang zwischen hohem Stress und Alkoholkonsum auf die Spermienqualität lies sich nachweisen. Ängste vor Stigmatisierung durch die Umwelt führen die Paare oftmals in die Isolation,
Kinderlosigkeit als Krise oder Chance?
Wenn ungewollte Kinderlosigkeit auftritt wird es von dem Paar oftmals als scheinbar unlösbares Problem betrachtet, welches die zentralen Lebensziele und Lebensplanung in Frage stellt und persönliche (emotionale, finanzielle und zeitliche) Ressourcen oftmals über Gebühr beansprucht. Diese „Lebenskrise“ birgt das Risiko einer langfristigen Anpassungsstörung aber auch das Potential zur seelischen Weiterentwicklung. Empfindungen wie Erschrecken, Verleugnen, Ärger, Wut, Isolation, Schuld, Trauer und Insuffizienzgefühle sind Ausdruck der inneren Gefühlswelt und bedürfen der Wahrnehmung und Bearbeitung. Ca. 20% aller Paare sind unter der Behandlung besonders belastet und stehen einer einmaligen Paarberatung oder begleitende Paartherapie positiv gegenüber.
Ziele einer Paarberatung / Paartherapie:
Der Kinderwunsch wie auch der Umgang mit einer Kinderlosigkeit gehen beide Partner an und es ist sinnvoll gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln. Hierzu können im Rahmen einer Paarberatung oder Paartherapie gehören:
- Analyse des Lebenskonzeptes, unbewusster Ängste und Konflikte in Bezug auf Sexualität und Schwangerschaft
- Bessere Bewältigung der aktuellen (und vielleicht auch zukünftigen) Kinderlosigkeit unabhängig vom Erfolg reproduktionsmedizinischer Maßnahmen
- Behebung von Informationsdefiziten und Raum für Fragen
- Hilfe bei rationalen Entscheidungen bezüglich einzelner medizinischer Behandlungsschritte und Setzen von Grenzen bezüglich möglicher Handlungsoptionen.
- Verminderung von (Paar-)Konflikten mit der Infertilitätsbehandlung
- Verbesserung der Kommunikation mit Ärzten, Krankenkassen, Dritter und des Paares untereinander
- Reduktion von sexuellen Störungen
- Förderung der Akzeptanz von nicht therapierbaren körperlichen Störungen
- Neudefinierung von notwendigen Veränderungen des Lebensstils und der Lebensziele
- Reduktion von Stresserleben (z.B. durch das Erlernen von Entspannungsübungen)
- Strategien im Umgang zur Bewältigung einer Fehl- oder Totgeburt.
- Raum für den Ausdruck von Gefühlen wie Klagen, Trauern oder Schimpfen, um einen konstruktiven Umgang damit zu ermöglichen und die Fähigkeit zu einem humorvollen Umgang in belastenden Situationen (wieder) zu entdecken.
Meine Arbeitsweise:
In der Beratung / Therapie möchte ich die visionären Fähigkeiten der Paare ansprechen und Ihnen helfen bisher unentdeckte, individuell passende, teilweise auch unkonventionelle Hilfs- und Lösungsmöglichkeiten für Probleme zu suchen. Hier gibt es kein „richtig“ oder „falsch“. Zur Förderung der Vorstellungskraft können auch bewährte Strategien von anderen Paaren hilfreich sein. Ich kann Anregungen und Informationen für die Eigensuche des Paares nach neuen Handlungs-, Denk- und Empfindungsmöglichkeiten geben, die ihnen grundsätzlich zur Verfügung stehen, bisher jedoch noch nicht bewusst genug entdeckt wurden. Dabei schließe ich auch das soziale und berufliche Umfeld mit ein.
Bei entsprechender Indikation kann eine Beratung auch fließend in Richtung Therapie übergehen, wobei ich beides gleichermaßen als ein partnerschaftliches, auf Lösungsmöglichkeiten zentriertes Fachgespräch sehe. Ziel wird es sein bereits vorhandene Ressourcen zu aktivieren. Unterschiedliche Meinungen und Einstellungen von Paaren werden von mir dabei gleichberechtigt behandelt.
Umfang der Paarberatung / Paartherapie:
Innerhalb der ersten 1-2 Gespräche werden Ihre Problembereiche erörtern um klare Ziele für die Beratung / Therapie definieren zu können. Sollte eine Paartherapie sinnvoll erscheinen ist eine Behandlung von max. 10 Sitzungen sinnvoll, nur in Ausnahmefällen liegt die Stundenzahl höher.
Die Kosten betragen:
Therapieeinheit
von 50 Minuten: 150 €
Therapieeinheit von 80 Minuten: 220 €
Ich bin aktives Mitglied des Beraternetzwerkes Kinderwunsch Deutschlands BKiD.
